Ich beziehe mich im folgenden vor allem auf diesen Blogpost und die damit zusammenhängende Diskussion.
Ein Nazi auf dem 28c3. Oh nein. Wie konnte das passieren. Eine Tragödie. Erst einmal ein Foto machen und bei Twitter posten. Danach muss ich mich auch unbedingt bei X-Tausend Leuten darüber auslassen wie scheiße ich das doch finde.
Herzlichen Glückwunsch, als Mensch versagt.
[Disclaimer: Da ich sonst sowieso nur geflamet werde muss ich wohl wie jeder in so einer grenzdebilen Diskussion klarstellen, wie blöd ich Nazis, Rechte, Faschisten, bayerische Hinterbänkler… finde. Denn wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Disclaimer Ende.]
Nicht nur fehlt hier jedes Bewusstsein für die Konsequenzen einer Handlung, nein sie werden auch noch für gut befunden:
„Mein Tweet war in der Zwischenzeit ein wenig herumgegangen, der Thor Steinar Shirt Träger wurde von einigen Menschen beschattet […]“
Hallo? Gehts noch? Ist im Oberstübchen heute sturmfrei? Mit solchen Methoden stellt man sich mit Nazis auf eine Stufe. Ebenso wie beim Outing von Nazis gegenüber Arbeitgeber und dem privaten Umfeld verlässt man hier zügigen Schrittes den Boden der freiheitlichen, demokratischen Rechtsordnung. Wenn man mit Kanonen auf Spatzen schießt und dabei nebenbei auch noch die Basis seines Anliegens zertrümmert kann man das nicht mit:
„Ich tue was ich kann gegen die Symbole von Rassismus und Hass in der Öffentlichkeit. Rassismus ist nicht durch Meinungsfreiheit abgedeckt und nicht zu dulden. Seine Symbole zu dulden bedeutet ihn zu dulden.“
rechtfertigen. Die Ablehnung von Rassismus und Hass gründet auf einem Gedanken von Freiheit und Aufklärung. Wir glauben an das Gute im Menschen, Gleichheit, die Kraft der Vernunft. Aufklärung und Diskurs nicht Unterdrückung und Niedertracht. Ich zitiere Mal eine Grundlage des 28c3:
„Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung.“
Warum wird sich nicht mit dem Menschen hinter dem Symbol auseinandergesetzt? Ja Thor Steinar ist eine Marke , die von Nazis für Nazis gemacht wird. Das ist aber egal. Das hat nichts mit dem 28c3 zu tun. Ebenso wie jemand mit einem monströsen Kreuz um den Hals oder über und über mit Antifa Aufklebern beklebt herum rennen darf, durfte er auch seine Kleidung tragen, solange sie keine verfassungsfeindlichen Symbole aufweist. Diese Größe sollte man haben um in einem solchen Freiraum, den der 28c3 darstellt, damit klar zu kommen. Man kann Freiräume nicht mit Gewalt frei räumen. Wer in einem Freiraum sowohl verbale wie körperliche wie soziale Gewalt ausübt, übt Kontrolle aus und vernichtet so den Freiraum. Wer „ernsthaft angewidert“ den Raum verlässt, nur weil ihm ein Helfer nicht zustimmt, und sagt „er [seie] gegen Kleidungsverbote“, der disqualifiziert sich als Antifaschist. Wenn man auf ein Problem aufmerksam machen will, geht man zu einem der Helfer. Die nehmen sich des Problemes an. Ist die Lösung nicht in meinem Sinne, gehe ich aber verdammt nochmal nicht zum nächsten und dränge ihm eine Diskussion auf. Für eine kritische Betrachtung bleibt auch nach Abschluss der Veranstaltung noch genug Zeit. Zudem zeugt eine solche Diskussions“kultur“ von einem mangelnden Verständnis und mangelnder charakterlicher Größe. Es geht nicht darum ein Menschenbild mit Zwang durchzusetzen oder Säuberungen auf Gesinnungsbasis zu machen. Nazis gehören zum Spektrum der Ansichten dazu. Ob man will oder nicht. Man kann sie daran hindern ihre Gedanken weiter zu verbreiten. Man darf sich aber nicht so vermessen geben, sie vernichten zu wollen. Damit schießt man sich selber ins Knie.
Nun was kommt als nächstes? Was löst die nächste Diskussion aus? Jemand der einen Thorshammer trägt? Spätestens dann würd ich sagen machen wir den Congress dicht, weil wir alle versagt haben. Niemand darf sich so vermessen geben und seine Ansicht als die einzige Wahrheit propagieren. Solche Blogbeiträge und Twitternachrichten machen nichts „publik“ wie manch einer behauptet, sie sind nur ein Machtinstrument. Die Macht der Masse. Ein digitaler Mob. Ja ein „Shitstorm“ ist eine Hetzjagd. Mit der Ausrede „Ich habe versucht, öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken, um dem Club zu zwingen, sich klar zu positionieren.“ zeigt man nur, dass man nur seine eigene Weltsicht, durchsetzen wollte, man wollte andere „zwingen“. Wo ist das noch antifaschistisch?
„Aber Faschismus ist keine Meinung.“ Doch. Man mag es nicht gut finden, aber es gibt Leute die es als ihre Meinung empfinden. Das zu verleugnen setzt den Menschen hinter der Meinung herab. Er ist nur noch zweite Klasse. Nichts wert. Ein Untermensch.
Um ehrlich zu sein schreibe ich diesen Artikel vor allem deshalb weil mir einfach mal wieder der Kragen geplatzt ist. Ich verabscheue jene Menschen, die versuchen Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Zwang ist keine Waffe gegen Zwang. Warum muss der CCC alles unternehmen damit ja keine Nazis auf dem Congress sind? Das Argument „Es ist noch nichts passiert“ ist korrekt. Der CCC ist nicht der Staat der einen vor Gefahren bewahren muss. Er stellt nur eine Plattform für den Austausch bereit und überwacht den reibungslosen Ablauf des Austausches. Genauso wie er Nazis, die die Plattform kapern wollen rausschmeißen sollte, sollte er Leute, die solche Aktionen initiieren, rausschmeißen.
Ich kann sogenannte Antifaschisten die ein totalitäres Weltbild vertreten nicht leiden. Warum diese Engstirnigkeit. Warum dieser Hass. Man kann in Ruhe über die Spielregeln beim Congress diskutieren. In Ruhe. NACH dem Congress. Warum muss man stattdessen Leute verfolgen, von denen man meint, sie hätten andere Ansichten als man selbst? Das ist krank. Und mir wird schlecht wenn ich daran denke.